SCHULENTWICKLUNG ALLGEMEIN

"Innere Schulentwicklung" ist eines der zentralen Schlagworte in der aktuellen Bildungsdiskussion. Es ist ein Megathema, wenn es um die Frage geht, wie Schule auch in Zukunft ihren Aufgaben gerecht werden kann.

Was will innere Schulentwicklung?

"Die Schule wie die Eltern wettern gegen das Fernsehen, aber sie veranstalten selber Fernsehen: Vorne läuft die Glotze, das heißt der Lehrer, und die Schüler legen die Füße hoch. Das ist eine bizarre Situation. Wenn ich mir heute vorstelle, Lehrer zu sein ... und 30-35 Jugendliche im Überschwang ihrer Hormone und ihrer körperlichen Mobilität disziplinieren zu wollen, dann kann dieses Unterfangen eigentlich nur gelingen, wenn wir die Rollen völlig umdrehen. Im Unterricht der Zukunft geht es vor allem um die ‚Hebammenkunst', die zentrale Rolle des Lehrers aufzubrechen - und um das passive Verhalten der Schüler." So beschreibt der Zukunftsforscher Matthias Horx in einer Rede die Umrisse einer neuen Schule, "in der man nicht das Gefühl hat, als Lehrer dauernd wie ein Guerillakämpfer in die Schule gehen zu müssen."
Auf der anderen Seite staunen wir immer wieder über das bewundernswerte Engagement, mit dem sich Schülerinnen und Schüler in die Arbeit stürzen, wenn sie sie nur als lohnend, interessant und herausfordernd erleben. Sie zählen nicht die Stunden, wenn es beispielsweise um ein Theaterprojekt geht, wenn eine Schülerzeitung fertig werden oder eine Homepage gestaltet werden soll.
Woher kommt dieser merkwürdige Gegensatz? Warum erreichen Lehrerinnen und Lehrer trotz großen Einsatzes immer häufiger ihre Schülerinnen und Schüler nicht mehr in dem Maße, in dem das früher selbstverständlich war?
Mit solchen Fragestellungen beschäftigt sich die innere Schulentwicklung. Sie sucht neue Wege, wie Schule heute gestaltet und wie wichtigen Anliegen einer einzelnen Schule Rechnung getragen werden kann. Eines der zentralen Handlungsfelder ist das Entwickeln und Erproben neuer Formen des Lehrens und Lernens, denn das "Kerngeschäft" der Schule ist und bleibt der Unterricht. Am Lernerfolg, an der Nachhaltigkeit des Gelernten misst sich letztendlich zu einem hohen Prozentsatz die Qualität einer Schule.
Aber auch die Partizipation von Schülerinnen und Schülern am gesamten Schulleben, die Zusammenarbeit mit den Eltern, die Gestaltung von Konferenzen und Mitarbeitergesprächen, die Verbesserung der Kommunikation und Teamentwicklung im Kollegium, das Entwickeln einer Corporate Identity, die Öffnung der Schule nach außen, die Bereitschaft zu Verantwortungsübernahme sind Themen der inneren Schulentwicklung.
Sie basiert auf der Überzeugung, dass sich eine Schule von innen heraus weiterentwickeln kann und muss: Die unmittelbar an einer Schule Beteiligten, die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung, die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern erleben tagtäglich, was sie an ihrer Schule stört, was nicht in Ordnung ist. Und wer wüsste besser als sie, wo und wie Verbesserungen nötig und möglich sind? Schulentwicklung kann nicht "von oben" verordnet werden, denn sie setzt auf Eigeninitiative, Engagement und möglichst gemeinsames Handeln.
Das inhaltliche Spektrum von Schulentwicklung ist weit. Die "Augsburger Thesen" deuten es an. Die "klassischen" Bereiche der inneren Schulentwicklung sind Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Unterrichtsentwicklung:

Schulentwicklung - Was ist das? 

Schulentwicklung ist ein Prozess, der es ermöglicht, Schule von unten neu zu gestalten, unter Einbeziehung aller am Schulleben beteiligten Personen (Kollegium, Schüler, Schulleitung, Personal, Eltern bzw. Erziehungsberechtigte)

Schulentwicklung - Was ist das? 

Definition nach Emminger 

=              längerfristiger

                systematischer

                geplanter

                zielorientierter

                offener (freiwilliger)

                transparenter 

         Prozess 

WER?       Möglichst viele Beteiligte / Betroffene der Schule 

WAS?       Mit Hilfe eines Leitbildes werden vorhandene Strukturen an der Schule überdacht und gegebenenfalls geändert. 

WOZU?    Steigerung der Qualität und Effektivität unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit

                   Steigerung der beruflichen Zufriedenheit aller Beteiligten


Textfeld: Das Regelkreismodell einer Schulentwicklung

 

Ziele der Schulentwicklung 

 
Erwartungen/ Anforderungen an die Schule 

Verbesserte Schulqualität durch 

Erwartungen/ Anforderungen an die Schule 

Verbesserte Unterrichtsqualität durch 

  

Hohlmeier 1999, Regierungserklärung

 

Möglicher Ablauf eines Schulentwicklungsprozesses

Mögliche Vorgehensweise

Wer?

Zeit

1. Information des Kollegiums:
            Motivation                                 Da gibt es ...

Schulleitung,
LehrerInnen...

 

2. Kollegiumsbeschluss

Kollegium

 

3. Informationsveranstaltung

Kollegium
externer Moderator

1. Sitzung
2 Std.

4. Betreuungsvereinbarung

zw. externem Moderator, Schulleitung und Steuergruppe

 

5. Bildung einer Steuergruppe

Kollegium

 

6. Zielerklärung: SOLL-Zustand
                                               Leitbild

externer Moderator
Steuergruppe

2. Sitzg.
Pädagog. Wochenende

7. Prioritätensetzung
                                               Schulprogramm

externer Moderator
Steuergruppe

3. Sitzg.

8. Projektmanagement:

-      Diagnose im/in den Handlungsfeld/ern des
Schulprogramms

-      Zielaufstellung

-      Möglichkeiten

-      Konzept als Antrag an die

 

Arbeitskreis (=Qualitätszirkel)
(evtl. externer Moderator)
LehrerInnenkonferenz

 

9. Beschlussfassung/Umsetzung

Kollegium

 

10. Evaluation: intern u. extern

Steuergruppe /
Arbeitskreis (=Qualitätszirkel)

 

 alle 5 - 6 Jahre:

6. Leitbild-Evaluation

Steuergruppe

 

7. neue Prioritätensetzung:
                                               Schulprogramm


Steuergruppe


s.o.

 

Textfeld: Das Steuerrad der SchulentwicklungSteuergruppe

Kerngruppe - Initiativgruppe

a)              Definition

b)              Aufgaben

c)               Arbeitsweise

d)              Zusammensetzung

 

Schulprogramm 

Das Schulprogramm ist die schriftliche Ausformulierung und Konkretisierung eines Leitbildes. Es enthält ein grundsätzliches Einverständnis über die Ziele und strategische Maßnahmen (Leistungsorientierung, musische Schwerpunkte, Eigenverantwortlichkeit von SchülerInnen etc.), die in Form von "Verhaltensrichtlinien" niedergeschrieben werden. Darüber hinaus differenziert es die im Leitbild angegebenen allgemeinen Grundsätze in einzelne konkrete Maßnahmen, schafft Verantwortlichkeit und regelt die Überprüfbarkeit dieser Maßnahmen.

 

Arbeiten in Qualtitätszirkel/Arbeitsgruppen erfordert Professionalität, um Effizienz zu gewährleisten! 

Hilfen für eine erfolgversprechende Zusammenarbeit 

Zeit:                  Beginn und Ende einer Teamsitzung sollten festgelegt und eingehalten werden. Auf diese Eckpunkte der Arbeit muss Verlass sein, um möglichst Konflikte mit der übrigen Tagesplanung zu vermeiden.

Thema:             Was in einer Teambesprechung bearbeitet wird, sollte vor Beginn allen Teilnehmern bekannt sein. Gegebenenfalls kann das Thema von einer Teilgruppe vorbereitet werden, auf alle Fälle sollte die Möglichkeit für alle bestehen, sich auf die Problematik einzustellen.

Ziel:                   Bei der Vorbereitung oder auch zu Beginn der Sitzung ist es sinnvoll, ein Ziel oder Teilziel für die Veranstaltung zu for­mulieren, das angesteuert werden soll.

Organisation:   Zu einem positiven Ablauf trägt eine vorausschauende Orga­nisation bei, die z. B. dafür sorgt, dass ggf. Arbeitsunterla­gen vorhanden sind, Spielregeln eingehalten werden, der äu­ßere Rahmen stimmt (evtl. Kaffee und Kuchen).

Teamführung:  Das Team sollte für sich eine Regelung finden, wie die Ver­antwortung für einzelne Sitzungen, einzelne Bereiche oder die gesamte Zusammenarbeit delegiert und festgelegt wird (evtl. Diskussionsleiter festlegen).

Ergebnisse:      Die Ergebnisse einer Teambesprechung, seien es beschlosse­ne Vereinbarungen oder Absprachen, werden sinnvollerweise am Ende nochmals zusammengefasst.

Protokolle:       Zu Beginn einen Protokollanten bestimmen (Ort, Zeit; Beteiligte). Diese Zusammenfassung kann in Form eines kurzen Ergebnisprotokolls Auskunft über die Teamarbeit geben und als Erinnerung herangezogen werden, wenn man erneut über ein Problem verhandeln muss. Für verhinderte Teilnehmer einer Sitzung gibt es durch das Protokoll die Möglichkeit, auf dem laufenden zu bleiben.

Weitere Links zum Thema Schulentwicklung
www.qis.at
www.km.bayern.de/km/schulentwicklung/
A
ufsatz von Dr. Eckhard F. Emminger M.A.
Literaturliste